Ein Leben für die Menschen, für die Politik und die sozialdemokratische Idee

Veröffentlicht am 28.03.2008 in Presse
 

Georg Peters wäre am 29. März 2008 hundert Jahre alt geworden

Georg Peters war einer bedeutendsten und einflussreichsten ostfriesischen Politiker. Als Bürgermeister, Landrat, Bundestagsabgeordneter oder SPD-Bezirksvorsitzender hatte er mehr als drei Jahrzehnte großen Einfluss auf die örtliche und überregionale Politik. Am 29. März jährt sich sein Geburtstag zum 100sten Mal.

1908 als Sohn des Friseurmeisters Peters in Marienhafe geboren, besuchte er die achtjährige Volksschule. Bei der Druckerei Schmidt in Norden lernte er anschließend das Schriftsetzerhandwerk. Nach bestandener Gehilfenprüfung war Peters zunächst in verschiedenen Handwerksbetrieben tätig. Um weitere Kenntnisse zu sammeln, ging er Mitte der 20er Jahre auf Wanderschaft. Sein Weg führte ihn durch ganz Deutschland. Außerdem waren Österreich, Ungarn, Tschechoslowakei, Jugoslawien, Italien und die Schweiz Stationen, wo er jeweils in seinem Beruf als Schriftsetzer arbeitete.

Schon sehr früh fand Peters den Weg in die gewerkschaftliche und politische Arbeiterbewegung. So wurde er gleich zu Beginn seiner Schriftsetzerlehre Peters Mitglied des Deutschen Buchdruckerverbandes, einer Gewerkschaft, die auch die Interessen seines Berufszweiges vertrat. Er schloss sich der Sozialistischen Arbeiterjugend an und trat 1926 als 18jähriger in die SPD ein. In diesen Jahren begann sein aktives politisches Engagement. Er lernte einige Weggefährten wie die Brüder Johann und Karl Fischer, Hinrich Donner oder Johann Cramer kennen, die ihn in den folgenden Jahrzehnten begleiteten; und seine spätere Ehefrau Marie Düthmann, die auch bei der Sozialistischen Arbeiterjugend Norden mitarbeitete.

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Die Wanderjahre schloss er mit dem durch die Übertragung einer Freistelle möglich gewordenen Besuch der Evangelischen Heimvolkshochschule in Hainstein bei Eisenach im Winterhalbjahr 1929/30 ab. Seine Weiterbildung setzte er 1931/32 auf der Arbeiterwirtschaftsschule in Peterswaldau (Schlesien) fort. Hier verfestigte sich seine sozialistische Grundüberzeugung; der Politiker Georg Petes war geboren. Seine erste politische Rede hielt er aus Anlass des 1. Mai 1932 in Langenheilau/Schlesien. Von dort nach Norden zurückgekehrt, übernahm er die Geschäftsstelle der „Rhein-Ems-Zeitung“ sowohl für den redaktionellen als auch für den Vertriebs- und Anzeigensektor. Daneben betrieb er eine Leihbücherei. Er engagierte sich wieder in der der Norder SPD und traf bei einer der vielen Kundgebungen im damaligen Jugendheim in der Klosterstraße den sozialdemokratischen Reichstagsabgeordneten Hermann Tempel. Eine Begegnung, die ihn nach eigenen Angaben sehr prägte.

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Georg Peters war ein entschiedener Gegner des aufkommenden Nationalsozialismus. Auch nach der Machtübernahme Hitlers am 30. Januar 1933 beteiligte er sich am Widerstand gegen die Nazis, verteilte illegale Flugblätter und Druckschriften der Gewerkschaften und der SPD. Unter den Nationalsozialisten hatte er unter häufigen Bedrohungen und Schikanen zu leiden. Die Zeitungsgeschäftsstelle musste er abgeben. Mit seiner Leihbücherei versuchte e, sich und seine Familie über Wasser zu halten. Als auch das nicht mehr möglich war, fand er zunächst im Dritten Reich nirgends eine Arbeit. Aber er hatte schließlich Glück im Unglück: die Firma Onno Behrends stellte ihn 1937 als Zollbuchhalter ein. Während des 2. Weltkrieges wurde der 34jährige Familienvater im Januar 1942 zur Wehrmacht eingezogen und musste bis zum 20. März 1945 Dienst bei einer Flugabwehrkompanie leisten. Ab April 1945 war er wieder in Norden, wo er das Kriegsende und die Befreiung vom Nationalsozialismus erlebte. In dieser Zeit versuchte er bis zum Juni 1945, als landwirtschaftlicher Arbeiter seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Schließlich leitete er bis zum 31. Oktober 1946 als Angestellter der Kreisverwaltung das Wirtschaftsamt.

Nach dem Ende der Nazi-Diktatur stellte sich Georg Peters sofort dem Wiederaufbau des Landes und der SPD zur Verfügung. Noch bevor die Partei von der englischen Militärregierung wieder erlaubt wurde, trafen sich Peters und einige Sozialdemokraten, die schon vor 1933 aktiv waren, und bereiteten im Herbst/Winter 1945 die Wieder- bzw. Neugründung von sozialdemokratischen Strukturen im Landkreis Norden und in Ostfriesland vor. Sofort nach Zulassung der SPD Anfang 1946, begannen insbesondere Georg Peter, Johann Fischer und Poppe Schumann, in jeder Stadt, in jeder Gemeinde und in jedem Dorf öffentliche Veranstaltungen abzuhalten und über die Ziele und Inhalte der Sozialdemokratie zu informieren. Zahlreiche SPD-Ortsvereine wurden auf ihre Initiative ins Leben gerufen; die Wiedergründung des Ortsvereins Norden fand am 20. Januar 1946 statt. Johann Fischer wurde Vorsitzender, Georg Peters sein Stellvertreter. Außerdem war Peters Geschäftsführer des neuen SPD-Kreisvereins Norden.

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Unter seiner Leitung wurde eine politisch schlagkräftige Sozialdemokratie aufgebaut, die bei den ersten Kommunalwahlen am 15. September 1946 und bei der Kreistagswahl am 13. Oktober 1946 Mehrheiten in den meisten Gemeinden und auf Kreisebene erhielt. Ungewöhnlich war der Vorgang, der dazu führte, dass Peters erster ehrenamtlicher Landrat des Kreises Norden wurde. Georg Peters beschrieb den Vorgang in einem Interview wie folgt: „Bei der ersten Kommunalwahl bin ich Landrat geworden, und zwar auf eine komische Art und Weise. Ich hatte gar nicht kandidiert. (…) Wir bekamen eine dicke Mehrheit. Aber da war keiner, der Landrat werden konnte. Da haben sie überlegt, Georg Peters, der könnte das wohl machen. Ich war auch bereit, hatte aber keinen Sitz im Kreistag.“ (Anmerkung: Einer der gewählten Abgeordneten verzichtete auf sein Mandat, und der Kreistag berief daraufhin Georg Peters in seine Mitte). „Ich kam aus dem Publikum in den Kreistag, und in den nächsten fünf Minuten war ich schon Landrat, ohne jede parlamentarische Erfahrung.“

Dieses Amt übte er bis 1949, von 1956 bis 1964 und noch einmal von 1972 bis 1976 aus. Ihm folgte für knapp ein Jahr Hinrich Swieter. Dann wurde mit der Kreistagswahl am 23. Oktober 1977 die auch von Georg Peters heftig kritisierte und bekämpfte Kreisreform vollzogen; d.h. die Zusammenlegung der Landkreise Aurich und Norden.

Nach vier Jahren Oppositionszeit im Norder Rat errang die Norder SPD unter Peters Führung bei der Kommunalwahl am 27. September 1964 mit 50,1 Prozent wieder die absolute Mehrheit. Der Rat der Stadt Norden wählte ihn zum Bürgermeister der Stadt Norden. Nach innerparteilichen Auseinandersetzungen trat er am 7. Oktober 1971 von diesem Amt zurück. Sein Nachfolger wurde am 19. Oktober 1971 Gerhard Campen.

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Innerparteilich gewann Georg Peters schnell auf allen politischen Ebenen Einfluss. Neben dem Aufbau von Parteistrukturen vor Ort nahm er gleichzeitig 1945 Kontakt mit der damaligen provisorischen SPD-Zentrale in Hannover auf und lernte Persönlichkeiten wied Kurt Schumacher oder Egon Franke kennen. So nahm er mit Johann Fischer vom 03. bis 06. Oktober 1945 an der Neugründung der SPD in Wenningsen bei Hannover teil. Ergebnis: Kurt Schumacher wurde im sogenannten „Wenningser Kompromiss“ Vorsitzender der drei West-Zonen, Otto Grotewohl Vorsitzender der Ost-SPD.

Von 1946 bis 1966 war Georg Peters Vorsitzender des SPD-Kreisvereins Norden. Maßgeblich war er an der Reaktivierung der Bezirks-SPD beteiligt. Zunächst wurde 1946 der alte Bezirk Oldenburg-Ostfriesland-Osnabrück mit den drei Vorsitzenden Kraft (Wilhelmshaven), Wunderlich (Osnabrück) und Peters (Norden) wiedererrichtet. 1947 folgte dann eine organisatorische Neuordnung der SPD. Der Bezirk Weser-Ems in seinem jetzigen Zuschnitt war entstanden.

Dem Bezirksvorstand Weser-Ems gehörte er von 1947 bis 1968, davon von 1952 bis 1966 als Vorsitzender, an. Sein politisches Gewicht brachte er darüber hinaus von 1946 bis 1966 als Mitglied im SPD-Landesausschuss Niedersachsen und in der einflussreichen Bundes-Kontrollkommission seiner Partei ein.

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Als Höhepunkt seines politischen Lebens bezeichnete Georg Peters selbst sein 23jähriges Wirken als Bundestagsabgeordneter. Bei der Wahl zum ersten Deutschen Bundestag am 14. August 1949 wurde er mit 35,5 % der Erststimmen direkt gewählt. Auch bei den folgenden Bundestagswahlen am 6. September 1953, am 15. September 1957, am 17. September 1961, am 19. September 1965 und am 28. September 1969 wiederholte er diesen Erfolg nicht nur, er baute den Vorsprung auf seine Mitbewerber kontinuierlich aus. 1969 erreichte er mit 50,8 % der Erststimmen schließlich sein bestes Ergebnis. Georg Peters lernte in diesen Jahren alle Facetten des bundespolitischen Lebens kennen. Zunächst bis 1966 in der Opposition, dann bis 1969 in der Großen Koalition und schließlich gemeinsam mit Bundeskanzler Willy Brandt in der sozial-liberalen Koalition. Insbesondere mit Brandt verband ihn eine herzliche und solidarische Zusammenarbeit. Dies dokumentieren zum Beispiel die vielen gemeinsamen Auftritte in Ostfriesland und im Bezirk Weser-Ems. Mit der vorgezogenen Bundestagswahl am 19. November 1972 endete seine Zeit als Parlamentarier; sein Nachfolger als direkt gewählter SPD-Abgeordneter wurde Carl Ewen.

Georg Peters arbeitete in den Bundestagsausschüssen für Finanzen und Steuerfragen, für Verkehrswesen, für Grenzlandfragen, für Kommunalpolitik, für Finanzen und Lastenausgleich, für Post, für Kriegs- und Verfolgungsschäden sowie für Städtebau und Wohnungswesen mit. Legendär ist sein Einsatz im Deutschen Bundestag für die Aufhebung der Teesteuer. Die stetige Verbesserung des Küstenschutzes war eine der wichtigsten Aufgaben des Bundestagsabgeordneten Peters. Das Leda-Sperrwerk sowie die Schöpfwerke in Greetsiel, an der Leybucht, an der Knock, in Dornumersiel, in Bensersiel und in Harlesiel wurden dank seines Einsatzes gebaut.

Kommunalpolitische Höhepunkte waren aus seiner Sicht der Bau der Norder Realschule, des Kreiskrankenhauses und des Altenwohnzentrums an der Schulstraße, der Ausbau der Kanalisation oder der Osterstraße, die Altstadtsanierung, die Weiterentwicklung des Fremdenverkehrs. Am 11. August 1969 konnte er im Rahmen einer Feierstunde im Norder Rathaus gemeinsam mit seinem englischen Amtskollegen die Partnerschaft und die Freundschaft zwischen Bradford-on-Avon und der Stadt Norden urkundlich besiegeln.

Seinen großen Erfahrungs- und Wissensschatz brachte Georg Peters auch über die Politik hinaus ein. So war er in den siebziger Jahren Initiator und Sprecher der „Arbeitsgemeinschaft zum Schutz der deutsch-niederländischen Küstengewässer“, Mitgründer und Vorsitzender der „Schutzgemeinschaft Nordseeküste“ und im Vorstand des Meliorationsverbandes Norden Mitglied. Von 1973 bis 1982 arbeitete er in der Landschaftsversammlung der Ostfriesischen Landschaft mit.

Zeitlebens setzte sich Georg Peters unermüdlich und selbstlos für seine Mitmenschen, für die Verbesserung seiner Umgebung ein. Für sein Lebenswerk wurde dem Vollblutpolitiker 1973 der Große Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland durch den Bundespräsidenten Gustav Heinemann verliehen. Die Ehrung führte Regierungspräsident Hans Beutz durch.

In seiner Frau Marie hatte Georg Peters immer eine feste und unverzichtbare Stütze. Sie hielt ihm nicht nur den Rücken frei, sie war auch viele Jahre selbst politisch und sozial engagiert. Zunächst in der Sozialistischen Arbeiterjugend, in den fünfziger Jahren im Vorstand des SPD-Ortsvereins Norden und in der Arbeiterwohlfahrt. Das Ehepaar hatte zwei Töchter und einen Sohn. Georg Peters starb am 3. August 1992 im Alter von 84 Jahren.

Georg Peters hat sich um die Menschen, die Sozialdemokratische Partei Deutschlands und die Bundesrepublik Deutschland verdient gemacht. Die Norder SPD ist stolz und dankbar, diesen großen Politiker in ihren Reihen gehabt zu haben.

 
 

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