100 Jahre Willy Brandt: ostfriesische Begegnungen

Veröffentlicht am 19.12.2013 in Ortsverein
 

Von Hans Forster

 

 

Am 18. Dezember 2013 jährt sich der Geburtstag von Willy Brandt zum 100. Male. Willy Brandt hat einen festen Platz in der Erinnerung vieler Menschen; auch in Ostfriesland.

 

 

 

 

Er war einer der herausragenden Staatsmänner des 20. Jahrhunderts. 1913 in Lübeck geboren, leistete der Sozialdemokrat Widerstand gegen die nationalsozialistische Diktatur. 1933 ging er ins Exil nach Norwegen und später nach Schweden. Nach dem Zweiten Weltkrieg wirkte Brandt am Wiederaufbau der Demokratie in Deutschland mit. Von 1957 bis 1966 verteidigte er als Regierender Bürgermeister die Freiheit West-Berlins und führte die Stadt durch die Krise des Mauerbaus. Als Außenminister ab 1966 und als Bundeskanzler ab 1969 trieb Brandt die Einigung Europas voran. Seine „Neue Ostpolitik” trug entscheidend zur westlichen Entspannungspolitik bei und stärkte das Zusammengehörigkeitsgefühl der Deutschen in den Jahrzehnten der deutschen Teilung. Der Fall der Berliner Mauer 1989 und die Deutsche Einheit 1990, für die auch seine Politik die Voraussetzungen schuf, sollten sein Lebenswerk krönen. 1971 erhielt Brandt den Friedensnobelpreis. Nach seinem Rücktritt als Kanzler 1974 setzte sich Brandt vor allem dafür ein, die Kluft zwischen den reichen und den armen Staaten dieser Welt zu überwinden.

 

Willy Brandt hat auch in Ostfriesland Spuren hinterlassen. Bei seinen Besuchen versuchte er, mit möglichst vielen Menschen ins Gespräch zu kommen. Begleitet und unterstützt wurde er dabei von ostfriesischen Spitzenpolitikern wie Johann Cramer, Georg Peters oder Carl Ewen. Der gebürtige Norder Johann Cramer (1905 - 1987) gehörte von 1949 bis 1953 und von 1957 bis 1972 dem Deutschen Bundestag an; er war direkt gewählter SPD-Abgeordneter des Wahlkreises Wilhelmshaven-Friesland.  Der frühere Norder Bürgermeister und Landrat Georg Peters (1908 - 1992) war von 1949 bis 1972 nicht nur Brandts Weggefährte im Deutschen Bundestag, sondern als langjähriger Vorsitzender des SPD-Bezirks Weser-Ems und als Mitglied der Kontrollkommission  des SPD-Bundesvorstandes eine wichtige Stütze in der Partei. Der Krummhörner Carl Ewen (*1931) arbeitete während seiner Zeit als direkt gewählter Bundestagsabgeordneter (1972 bis 1994) fast zwanzig Jahre mit Brandt zusammen; besonders intensiv in seiner Zeit als parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion von 1980 bis 1987.

 

Legendär waren Mitte der sechziger Jahre Willy Brandts „Deutschland-Reisen“ in einem cremefarbigen Mercedes-Kabriolett. So führte den sozialdemokratischen Kanzlerkandidat am 4. August 1965 eine ganztägige Informationsreise auch durch Ostfriesland. Mit einem Lufttaxi ging es zunächst auf die Insel Borkum. Nach einem Empfang durch den damaligen Bürgermeister Klemmert und einem Gang über die Strandpromenade landete er gegen Mittag wieder in Emden. Viele tausend Menschen flankierten die Straßen, um dem Politiker auf seinem Weg nach Leer zuzuwinken. Dort wurde er im Rathaus vom Bürgermeister Friedrich Geerdes begrüßt; Willy Brandt trug sich ins goldene Buch der Stadt ein. Nach einem Besuch beim Leda-Sperrwerk und in der Salamander-Schuhfabrik in Remels rollte die Wagenkolone weiter nach Wiesmoor. Nach einem kurzen Empfang durch den dortigen Bürgermeister und den Bundestagsabgeordneten Johann Cramer ging es weiter nach Wittmund. Er wurde von einigen hundert Frauen begrüßt, die an einem Frauen-Nachmittag teilnahmen. In Dornum wurde der Gast durch den Landrat Carl Ewen vor dem Schloss, das damals zu einer Mittelschule umgebaut wurde, empfangen. Er überreichte dem Regierenden Bürgermeister Gutscheine für 20 ostfriesische Ferienplätze, die dieser an Berliner Kinder weiterleitete. Dann ging die Fahrt weiter nach Greetsiel, wo nach Zeitungsberichten der ganze Ort auf den Beinen war. Gegen 21 Uhr traf der Konvoi wieder in Emden ein. Nach einem Empfang durch den Oberbürgermeister Schierig folgte ein Besuch des Emder VW-Werkes. Mit einem Referat in der überfüllten Bronshalle ging der Tag zu Ende. Während seiner Reise durch Ostfriesland passierte Willy Brandt auch die Stadt Norden und die Gemeinde Hage. Auch hier winkten dem politischen Hoffnungsträger unzählige Passanten zu, der die Grüße, im Wagen stehend, erwiderte. Während er in Norden keinen Stopp einlegte, stieg er in Hage kurz aus, wo Bürgermeister Gerhard Bolt ihm vor dem Rathaus einen Wappenteller überreichte.

 

Ein etwas abgespecktes Ostfriesland-Programm absolvierte Willy Brandt am 1. September 1973. Diesmal reiste er als deutscher Bundeskanzler im Rahmen einer dreitägigen Tour durch Norddeutschland mit einem Sonderzug an. Am Norddeicher Bahnhof wurde er vom Regierungspräsidenten Hans Beutz und von Carl Ewen begrüßt. Von dort ging es zur Küstenfunkstelle Norddeich Radio. Nach einem Rundgang durch das Gebäude sprach der Bundeskanzler per Funk zu den deutschen Seeleuten in aller Welt. Seine Ansprache wurde über Grenzwelle und vier parallel geschalteten Kurzwellen ausgestrahlt und am Abend wiederholt. Wieder in Norddeich zurückgekehrt, entbot ihm auf der dortigen Mole der stellvertretende Landrat Werner Buchweitz den Willkommensgruß für den Kreis Norden. Für die Stadt war Bürgermeister Gerhard Campen anwesend. Willy Brandt und sein Gefolge setzten mit einem Mehrzwecklandungsboot nach Norderney über. Ein paar tausend Menschen hatten sich im und um den Kurpark versammelt, sie alle wollten den prominenten Politiker sehen und hören. Bürgermeister Willy Lührs erinnerte in seiner Begrüßungsrede, dass Brandt im Frühjahr 1946 bereits einmal als Privatmann auf der Insel gewesen war. Auf dem Besuchsprogramm stand noch das Müttergenesungsheim der Arbeiterwohlfahrt und die Kinderheilstätte. Die Rückkehr zum Festland trat der Kanzler mit der „Frisia X“ an. An Bord wurde er von Walter Stegmann, Direktor der Reederei Norden-Frisia AG, und dessen Sohn Carl-Ulfert begrüßt.

 

Seinen letzten großen Auftritt in Ostfriesland hatte Willy Brandt am 1. Februar 1983. Auf einer Wahlkampfkundgebung in der Norder Sporthalle „An der Wildbahn“ sprach er als SPD-Parteivorsitzender vor rund 1.700 Menschen, die trotz sehr schlechten Wetters aus allen Teilen des Wahlkreises den Weg in die Küstenstadt fanden. Neben Landrat Hinrich Swieter und Carl Ewen stand auch der Leeraner Bundestagsabgeordnete Günther Tietjen auf dem Podium.

 

In den über 40 Jahren seines politischen Wirkens in der Nachkriegszeit hat Willy Brandt noch an einigen weiteren Kundgebungen und SPD-Parteitagen in Emden, Leer oder Wittmund als Hauptredner teilgenommen. Die ostfriesischen Sozialdemokraten organisierten ihrerseits immer dann Busse oder Sonderzüge, wenn es galt, Willy-Brandt-Auftritte in Niedersachsen oder Nordrhein-Westfalen zu erleben.

So fuhren am 6. September 1980 mehrere hundert Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten gemeinsam mit der Bahn zum großen SPD-Deutschlandtreffen in Dortmund. Zeitzeugen berichten über einige Urlaubsaufenthalte des Politikers mit seiner Familie auf der Insel Norderney.

 

Willy Brandt starb nach langer Krankheit am 8. Oktober 1992 in seinem Haus in Unkel. Wie in allen deutschen Tageszeitungen erschienen auch in den ostfriesischen Blättern Traueranzeigen, die vom damaligen Parteivorsitzenden Björn Engholm und von Hans-Ulrich Klose, Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion, unterzeichnet waren. Im Norder Jugendheim am Burggraben lag ein Kondolenzbuch aus. Viele Ostfriesinnen und Ostfriesen nahmen die Gelegenheit war, durch ihre Unterschrift dem verstorbenen Ehrenvorsitzenden der SPD die letzte Ehre zu erweisen. Zum Gedenken an „unseren Bundeskanzler der Herzen“, wie es Hinrich Swieter einmal ausdrückte, verleiht die SPD seit 1996 die Willy-Brandt-Medaille an Mitglieder, die sich um die Sozialdemokratie und die Arbeiterbewegung in besonderer Weise verdient gemacht haben. Mit Franz Arens, Fritz Fuchs, Wilhelm Heinks, Werner Störing und Harm-Udo Wäcken erhielten bisher fünf Norder Sozialdemokraten diese selten vergebene Auszeichnung.

 
 

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